Deutsch-Polnische Schülerbegegnung im Gut Kreisau (Polen)

Gymnasium Klotzsche

„Lieber Teilnehmer/ Liebe Teilnehmerin, in wenigen Tagen findet unsere Kreisaufahrt statt...“

Diese Worte gaben den Startschuss für die allererste von Herr Drechsel organisierte deutsch-polnische Schülerbegegnung im Gut Kreisau in Polen, die vom 23. bis 26. April 2019 während der Osterferien stattfand. 16 deutsche Schüler von vier verschiedenen Dresdner Gymnasien und 8 polnische Schüler vom Lyzeum in Jelenia Góra widmeten sich in Kreisau gemeinsam der wissenschaftlichen Arbeit zum Thema „Die Verantwortung eines Wissenschaftlers in der Diktatur“. Auf Grundlage von informativen Vorlesungen der vier namhaften Wissenschaftler Prof. Dr. Jens Reich (Molekularbiologe aus Berlin), Prof. Dr. Frank-Lothar Kroll (Historiker und Champagner-Liebhaber aus Chemnitz), Oberst Prof. Dr. Winfried Heinemann (Militärhistoriker aus Berlin) und Prof. Dr. Werner J. Patzelt (Politologe aus Dresden) sowie gemeinsamen inspirierenden Seminaren bzw. Diskussionsrunden war es unsere Aufgabe, in Kleingruppen greifbare Ergebnisse zum Thema entstehen zu lassen. In Begleitung von Herr Drechsel, Frau Morgenstern und zwei polnischen Lehrern haben wir vier schöne Tage erlebt...

Dienstag, 23.4.2019 – Auf den Spuren des Kreisauer Kreises

Treff 8.30 Uhr Gymnasium Klotzsche. Abfahrt mit dem Reisebus Richtung Polen. Zwischenhalt in Jelenia Góra, Abholen der polnischen Schüler. Ankunft in Kreisau mit etwa einer Stunde Verspätung…

Auf diesem wunderschönen Landgut sollten wir also die nächsten Tage verbringen. Nachdem wir unser Gepäck auf die Zimmer gebracht hatten, erwartete uns eine Führung, die uns das Gelände sowie den Kreisauer Kreis, eine Gruppe bürgerlicher Widerstandskämpfer zur Zeit des Nationalsozialismus, näherbringen sollte. Sie hing also direkt mit dem großen Thema unseres Projekts zusammen: Der Verantwortung des Wissenschaftlers in der Diktatur. Um einen groben Überblick über den umfassenden Komplex Diktatur zu erhalten, begann die Ringvorlesung mit einem Vortrag von Herrn Drechsel über Diktaturen im Allgemeinen. Es folgte Herr Prof. Dr. Reich, der ergreifend seine Erfahrung von einem Leben in mehreren Diktaturen erzählte. Zuletzt hörten wir eine Vorlesung von Prof. Dr. Kroll mit zahlreichen philosophischen Ansätzen zum Thema. Aufgrund des Zeitverzugs endete diese erst um 22 Uhr, sodass unsere Köpfe schon rauchten; trotzdem erhielten wir viel Material zum Nachdenken und eine neue Sicht auf die Problematik.

Mittwoch, 24.4.2019 – Wer Wissen schafft, schafft Wissenschaft

Der Tag begann mit einem weiteren Vortrag; diesmal referierte Prof. Dr. Heinemann. Im Mittelpunkt stand die Beziehung zwischen Wissenschaft und Krieg. Es wurde erschreckend deutlich, wie sehr wissenschaftliche Erkenntnisse (zu Kriegszwecken) missbraucht werden können.

Beendet wurde die Ringvorlesung mit dem Vortrag von Prof. Dr. Patzelt. Er erklärte, was Wissenschaft, Verantwortung und Diktatur grundsätzlich bedeuten, und gab so unseren Überlegungen ein festes Fundament. Nach der Mittagspause fanden wir uns in zwei Gruppen zusammen, die jeweils von zwei Professoren geleitet wurden. Nun hatten wir Zeit, Fragen zu stellen und Diskussionen zu führen. Es war unglaublich interessant und wir hätten wahrscheinlich noch sehr viel mehr Zeit damit verbringen können, uns mit den Professoren zu unterhalten. Jetzt hieß es jedoch, selber tätig zu werden. Wir fanden uns in deutsch-polnischen Gruppen zusammen und sammelten Ideen für ein Projekt, in dem die Thematik des Seminars verarbeitet werden sollte. Am Abend hatten die meisten auch ein handfestes Konzept erstellt und waren bereit, dies am nächsten Tag in die Tat umzusetzen.

Donnerstag, 25.4.2019 – Von Gruppenarbeit, Sprachbarrieren und Volleyball

Der gesamte Donnerstag war dazu gedacht, unser Projekt auszuarbeiten. Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Schülern war am Anfang etwas zögerlich, verbesserte sich im Laufe der gemeinsamen Arbeit jedoch zunehmend. Die Verständigung lief in den meisten Gruppen auf Englisch, da man sich so etwa auf einem Sprachniveau befand. Alle Lehrer und Professor Heinemann, der als einziger Professor noch nicht abgereist war, standen uns tatkräftig zur Seite und halfen, das beste aus unseren Ideen herauszuholen. Etwa um 21 Uhr beendeten auch die letzten ihre Arbeit. Den Rest des Abends verbrachten wir damit, gemeinsam mit den polnischen Schülern Volleyball zu spielen.

Freitag, 26.4.2019 – Tosender Beifall

Der letzte Tag des Seminars war gekommen. Uns standen die Projektpräsentationen und der Abschied bevor. Nervös warteten wir auf die Ankunft des Staatssekretärs des Sächsischen Ministerium des Innern Prof. Dr. Günther Schneider, der den Präsentationen beiwohnen sollte. Schließlich empfingen wir ihn, kurz nach dem letzten Überprüfen der Technik, und konnten nun beginnen. Was nun folgte, war vermutlich für alle ein Erlebnis. Die Gedichte, Kurzgeschichten, Poster, die Textcollage und das Theaterstück haben jeden von uns begeistert. Auch wenn wir vorher aufgeregt waren, hatte sich die Mühe und Arbeit gelohnt. Zu sehen, was unsere eigene Gruppe aber auch die anderen Gruppen auf die Beine gestellt hatten, erfüllte sowohl uns als auch unsere Lehrer mit Stolz. Die Grundgedanken der Vorträge hatte jeder verschieden verarbeitet und so sein eigenes Ergebnis hervorgebracht.

Und so endete das Seminar. Wir stiegen in die Busse und brachen auf. Jedoch fuhren wir nicht auf direktem Wege nach Hause, sondern machten Halt bei der Friedenskirche in Schweidnitz (Świdnica), die einen Platz auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbe innehat. Wir wurden von einem sehr freundlichen Herrn herumgeführt, der uns anschließend einen kurzen Einblick in sein Archiv gab und uns mehrere uralte Bücher und Manuskripte zeigte, welche die Geschichtsherzen schneller schlagen ließen. Doch auch dieser Halt hatte ein Ende. Wir verabschiedeten uns endgültig von den polnischen Schülern und machten uns auf den Heimweg.

„Das Beste, was einem Wissenschaftler passieren kann, ist, dass sich über seine Erkenntnisse Gedanken gemacht werden. Das Beste, was einem Lehrer passieren kann, ist, dass seine Schüler besser sind als er. - Beides ist euch gelungen.“

Mit diesen Worten fasste Herr Drechsel unsere Abschlusspräsentationen zusammen und gab uns damit ein außerordentliches Lob. Er aber auch wir waren sichtlich zufrieden und freuten uns über die gelungene Premiere dieses binationalen Projekts.

Wir haben in diesen vier spannenden Tagen nicht nur viel neues Wissen erlangt, sondern auch Selbstständigkeit bewiesen. Wir durften inspirierende Gruppenarbeiten und Gespräche erfahren und sympathische Menschen und neue Gegenden kennenlernen. Die Kreisaufahrt war eine abwechslungsreiche Erfahrung, an der hoffentlich bald wieder interessierte Schüler teilnehmen können.

Danke! Dziękuję!

Kim Willeke und Antonia Schramm