Einmal Kultusminister und zurück

Frau Wober wollte gerade ihren Einstieg in den GRW – Unterricht zum Thema „Aufgaben und Funktion der Staatsregierung“ durchführen, als es an der Tür klopfte. Gespannt schauten wir zur Tür.  Es war Herr Haubitz! Ein Staatsminister a.D… Lässig kam er in die Klasse rein, setzte sich auf den Lehrerstuhl und wir durften ihm unsere Fragen stellen. Sofort gingen die Hände in die Luft…

 Wann sind sie an diese Schule gekommen?

Das war vor 32 Jahren, also 1986.

Wie sind sie Kultusminister geworden?

Ich war mit meiner Frau auf dem Flughafen, als ich plötzlich einen Anruf vom damaligen Ministerpräsident bekommen habe. Er teilte mir mit, dass er mich gerne ins Kultusministerium versetzen würde.

Wie sah ihr Tag als Kultusminister aus?

Früh um acht Uhr stand ein BMW, inklusive Fahrer, vor meiner Tür. Neun Uhr fand die Morgenrunde statt, wo der Verlauf des weiteren Tages besprochen wurde. Anschließend ging es von Termin zu Termin. Bei jedem Termin bekam ich eine Mappe in die Hand, wo alles festgehalten wurde, was ich wissen musste. Ich arbeitete von Montag bis Freitag. Meist bis 22 Uhr, wobei ich das Wochenende frei hatte.

Wie sah es mit Urlaub aus?

Man bekam Urlaub, wenn man welchen beantragte. Allerdings ist es Pflicht, dass mindestens vier Minister anwesend sind. Den Urlaubsantrag für Weihnachten hatte ich vor lauter Arbeit glatt vergessen.

Wurde es ihnen zum Verhängnis, dass sie parteilos waren?

Möglicherweise… Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, warum ich abgesetzt wurde. Vielleicht bin ich mit zu viel Herzblut und Elan an die Sache ran gegangen.

Würden sie das Amt des Kultusministers ein weiteres mal annehmen?

Ja, auf jeden Fall.. Schon vor einiger Zeit war es ein großer Wunsch von mir Kultusminister zu werden. Dieser ist, zwar nur von kurzer Dauer, in Erfüllung gegangen.

Haben sie schon einige Änderungen durchgesetzt?

Ich habe es geschafft die Bildungsempfehlung zu verändern. Ebenfalls wollte ich die Zweitkorrektur außer Haus abschaffen, da es ein sehr langer und komplizierter Vorgang ist. Das konnte ich aber leider noch nicht ganz um setzen.

Wie stehen sie zu einem zentralen Schulabschluss?

Ich würde mich zu dem eher negativ positionieren. Da die verschiedenen Bundesländer zur Zeit verschiedene Ansprüche stellen, wäre es uneffektiv in Sachsen ein leichteres Abitur zu schreiben, wenn höhere Voraussetzungen gegeben sind. Außerdem ist es schwer umzusetzen, da beispielsweise die Lehrpläne neu angepasst werden müssten.

Was ging in ihnen vor, als sie abgesetzt wurden?

Ich war und bin nach wie vor sehr enttäuscht. Ich verstehe den Grund nicht.

Hoffen sie auf die Verbeamtung der Lehrer?

Ja, das ist eine sehr notwendige und ernsthafte Sache.Viele Lehrer in Sachsen würden es bevorzugen. Ich kann auch aus eigenen Erfahrungen sagen, dass viele Lehrer zurück nach Sachsen kämen, würden die Lehrer verbeamtet werden. Ich sage immer: „Sind die Lehrer glücklich, dann sind auch die Schüler glücklich. Sind die Schüler glücklich, dann sind auch die Eltern glücklich.“ Ich würde es meinem Nachfolger sehr nahe legen, die Verbeamtung des Lehrers in Angriff zu nehmen.

Was halten sie eigentlich von ihrem Nachfolger?

Ich formuliere es mal so: „Ich bin nicht neidisch“

Denken sie, sie hätten als Parteimitglied bessere Chancen gehabt?

Wahrscheinlich schon. Andererseits bin ich Fachmann in meinem Bereich. Die Politik sollte sich mehr auf Fachleute berufen, welche Ahnung haben und wissen, was läuft.

Wenn das Parlament gegen das eine Gesetz stimmt, hätte man da noch Chancen, es trotzdem durchzusetzen?

Nein. Da ist es natürlich ein Nachteil, wenn man keine Partei hinter sich stehen hat.

Hatten sie Feinde in den Parteien und Ministerien?

Vielleicht ein paar… Ich glaube, das Finanzministerium konnte mich eventuell nicht so gut leiden… Ich war zur falschen Zeit am richtigen Ort. Allerdings bin ich auch sehr froh wieder Schulleiter am Gymnasium Dresden- Klotzsche sein zu dürfen.

Damit schlossen wir unsere Fragerunde und Herr Haubitz widmete sich wieder seiner Funktion als Schulleiter…

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